Impulse vom hessischen Energieberatertag
Es herrscht eine neue Einigkeit zwischen den Verbänden: Das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V., der GIH-Bundesverband e.V. und der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) arbeiten nun enger zusammen. So betonten es sowohl Peter Preisendörfer, hessischer Landessprecher des DEN, als auch Stefan Bolln, Geschäftsführer des GIH, vergangene Woche auf dem hessischen Energieberatertag. Man wolle gemeinsam die Anliegen der Branche in die Politik kommunizieren, für ein geschütztes Berufsbild und eine nachhaltige Klimapolitik sprechen.
„Unser Berufsstand braucht dringend Nachwuchs“, erklärte Peter Preisendörfer in seinem Impulsvortrag. In den kommenden zehn Jahren erreichten 70 Prozent der Energieberatenden ihr Rentenalter. Auch wenn viele mit Leidenschaft und Begeisterung über jene Grenze „hinwegarbeiten“, sei es entscheidend, dass gut ausgebildeter Nachwuchs nachrücke. „Es braucht einen unkomplizierten Weg in die Energieberatung, einen Rahmen, der Ausbildung und Tätigkeitsfeld klar regelt und die Energieberatung rechtlich verankert“, so Preisendörfer. Bolln bekräftigte dies ausdrücklich, machte deutlich, dass ein Berufsbild auch Antwort auf die Flut jener Anbieter sei, die Tätigkeitsfelder von Energieberatenden „kapern“ und beispielsweise individuelle Sanierungsfahrpläne anbieten – ohne das Gebäude oder seine Bewohner zu kennen. Für eine erfolgreiche Wärmewende, eine nachhaltige Sanierung reiche eine oberflächliche Analyse über standardisierte Fragebögen in keinem Fall aus. Vielmehr brauche es vertrauensvolle Akteure, die mit fachlicher Tiefe und einem geschulten Blick auf das einzelne Gebäude beraten. Für eben diese wolle man nun Kompetenzen bündeln und gemeinsam den Herausforderungen der Branche begegnen.
KI in der Energieberatung
Eine dieser Herausforderungen thematisierte Dr. Florian Wiegandt, wissenschaftlicher Mitarbeiter des DEN. Provokant fragte er, ob künstliche Intelligenz (KI) Energie-beratende bald ersetzten wird können. Der Physiker und Energieberater zeigte eindrucksvoll an seiner eigenen Wohnung, wie viel diese Technik bereits leisten kann. Entgegen seines sehr begeisterten Einstiegs schloss er aber doch mit mahnenden Worten: Die KI neige zu Schmeicheleien, wer sich zu sehr auf die neuen Möglichkeiten verlasse, büße Kompetenzen ein. Dazu passt ein Hinweis von Peter Preisendörfer. Jede Abfrage koste -so erinnert er viel Energie, viel Wasser. Man dürfe gerne zwei Mal nachdenken, bevor man eine Anfrage ins Web schickt – vor allem als Energieeffizienz-Experte/in.
Entwicklungen der Branche
Doch nicht nur neue Technologien, auch der Blick in die Vergangenheit lieferte spannende Impulse. So plädierte Prof. Dr. Angèle Tersluisen dafür, sich stärker von historischen Bauweisen inspirieren zu lassen. Sie stellte eine Klimaanlage aus dem alten Griechenland vor, die ganz ohne Strom für Kühlung sorgt. Viel Gesprächsstoff bot zudem das Energy Sharing. Viele Menschen seien grundsätzlich bereit, Energie gemeinschaftlich zu nutzen, scheiterten in der Praxis jedoch häufig an bürokratischen Hürden.
Natürlich kamen auch die neuen politischen und förderrechtlichen Rahmenbedingungen zur Sprache. Die geladenen Gäste setzten große Hoffnungen in die neue Sanierungspflicht für Nichtwohngebäude. Gleichzeitig wurden auch zahlreiche Unklarheiten hinsichtlich der Umsetzung des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GmodG) gerade im Kontext der neuen Förderrichtlinie deutlich. Die damit verbundenen Umstellungen stellten die Energieberatenden vor große Herausforderungen, räumte Andrea Vilz vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung ein. Genau deshalb ist es wichtig, dass die Verbände in Zukunft gemeinsam die Branche voranbringen“, so Preisendörfer abschließend.
Hier finden Sie die Pressemitteilung im PDF-Format zum Herunterladen.
Hier finden Sie weitere Informationen zum hessischen Energieberatertag 2026.
1.Bild (links): Peter Preisendörfer
2.Bild: Diskussionsrunde v.l: Thilo Vorhauer (LEA), Andrea Vilz (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung), Dr. Corinna Fischer (Agora Energiewende), Dr. Immanuel Stieß (Institut für sozial- ökologische Forschung)
Peter Preisendörfer (DEN), Stefan Bolln (GIH), Dr. Florian Köhler (LEA)
3.Bild (rechts): Dr. Florian Wiegandt (DEN)
4. Beitragsbild (v.l): Thilo Vorhauer (LEA), Dr. Florian Wiegandt (DEN) und Elias Schiafone (dena)
Rechte: LEA; Fotografin: Jana Kay


