Deutsches Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V.
Positionen
Die hier vorgestellten Kernpositionen begleiten unsere politische Arbeit auch abseits von tagespolitischen Fragestellungen.

Unsere Kernpositionen
Das DEN trifft oft tagespolitische Positionen im Sinne seiner Mitglieder. Es gibt einige Überzeugungen, die das Auftreten des Vorstandes immer begleiten.
Die Klimakrise ist Realität. Ihr zu begegnen, Sie soweit wie möglich einzugrenzen, zu erhalten, was ein gutes Leben auf diesem Planeten möglich macht – nämlich das Gleichgewicht physikalischer und ökologischer Systeme – muss politische und gesellschaftliche Priorität sein. Etwas konkreter: Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen sind der einzige Weg in eine sichere, gute Zukunft. Nur mit einem konsequenten Einsparen von Emissionen, einer Umstellung auf Erneuerbare Energien lässt sich Wohlstand und Prosperität erhalten und ausbauen. Das DEN fordert deswegen eine mutige und ehrliche Klimapolitik; eine Politik, die sich ernsthaft (!) zu den Klimaschutzzielen bekennt, die Krise auch in ihrer gesellschaftlichen Dimension adressiert, ehrlich den Rahmen des Notwendigen aufzeigt und sich auf Expert/innen aus der Praxis (der Energieberatung) hört.
Deutschland hat großes Potential, viele schlaue Köpfe, die an und für eine CO2-arme Zukunft arbeiten – gerade bei uns im Verband. Wir brauchen eine Politik, die hinter Ihnen steht, ihre Forderungen ernst nimmt, eine Politik, die die Akteure des Klimaschutzes in Ihrem Wirken unterstützt!
Doch was genau heißt das? Was zeichnet so eine Politik aus? Ein erfolgreicher Umgang mit der Krise erkennt eine grundlegende Prämisse an: Obwohl viele Menschen daran arbeiten, CO2 einzusparen und Ressourcen über Kreisläufe denken und hier den Wohlstand von Morgen generieren, geht die Bewegung zu einer klimaneutralen Wirtschaft auch mit Verlusten einher. Ob es der langjährige Arbeitsplatz ist oder steigende Lebenshaltungskosten, die notwendige Umstellung auf eine zukunftsfähige Wirtschaft und Lebensweise hat einen Preis. Die Verlusterfahrungen sind real und selten gerecht verteilt. So anstrengend und herausfordernd ein Ringen um gute, faire und sozial nachhaltige Lösungen ist, so wichtig und notwendig ist es doch, diese Konflikte auszuhalten, anzugehen.
Es ist schließlich sehr verführerisch, die Notwendigkeit von Veränderungen zu verdrängen, Scheindebatten zu führen. Eine mutige Politik – wie das DEN sie fordert – beharrt darauf, das Klima zu schützen, Emissionen zu mindern. Sie fordert Anpassungsmaßnahmen ein, nimmt die realen Verluste der Menschen ernst und sucht einen Umgang mit diesen zu finden. Zugleich betont sie die Chancen einer zukunftsfähigen Volkswirtschaft.
So ein Vorgehen braucht auch Offenheit, einen ehrlichen Umgang mit der Sachlage. Hier soll es kurz sehr konkret werden: Für das DEN ist klar, dass Deutschland zu viel Energie (und auch Ressourcen) verbraucht und noch immer auf falschen Energieträger setzt. Eine weitere Nutzung fossiler Quellen ist – das ist für den Verband unbestreitbar – mittel- und langfristig nicht vertretbar. Die CO2-Bepreisung muss konsequent angegangen werden. Auf einer eher grundsätzlicheren Ebene darf nicht verschwiegen werden, dass ein Ringen um das Erreichen der Klimaziele immer internationale Partner braucht, dass es Zeit und Planung bedarf. Eine klimaneutrale Gesellschaft entsteht nicht über Nacht, nicht allein von oben herab: Ein übereilter Umstieg auf nachhaltige Technologien geht manchmal mit größeren Emissionen einher als eine eher langsame, wohldurchdachte Strategie. Auch wenn die Zeit eilt, ist es wichtig, überlegt (und gegebenenfalls langsam) vorzugehen, wirkliche Einsparungen zu erreichen. Das DEN setzt sich ausdrücklich dafür ein, auf reale Einsparungen denn auf Symbole zu setzen.
Die Klimakrise wird das Leben in Deutschland nachhaltig verändern, es unsicherer und unbequemer machen. Mit einer mutigen und ehrlichen Klimapolitik lassen sich diese Veränderungen demokratisch gestalten, mit ihr werden Wege in eine sichere Zukunft sichtbar. Mit einer mutigen und ehrlichen Klimapolitik können wir den Wohlstands Deutschlands sichern – und ausbauen. Lippenbekenntnisse zum Klimaschutz verkleinern diesen Handlungsspielraum, sie sind keine Antwort.
Deutschland ist gebaut – Städte und Gemeinden sind geprägt von wertvoller, historischer Bausubstanz, die oft übersehen wird. Statt neue Flächen zu versiegeln und Ressourcen in energieintensive Neubauten zu stecken, liegt der nachhaltige Weg in der Weiterentwicklung und Modernisierung des bestehenden Gebäudebestands. Jedes Gebäude trägt bereits eine erhebliche Menge an „grauer Energie“ in sich – die Energie, die für seine Errichtung aufgewendet wurde. Diese zu bewahren und effizient zu nutzen, ist weit klüger als Abriss und Neubau, die immensen Mengen an Emissionen und Abfall verursachen. Das DEN fordert daher den politischen Fokus auf die Sanierung denn den Neubau zu legen.
Warum ist das wichtig?
Der Gebäudesektor trägt maßgeblich zu den CO₂-Emissionen und dem Müllaufkommen bei. Durch vorausschauende Sanierungen können bestehende Gebäude modernisiert und energieeffizient gestaltet werden, ohne zusätzliche Flächen zu beanspruchen. So entsteht eine Baukultur, die Geschichte bewahrt, Ressourcen schützt und gleichzeitig lebenswerte Räume für kommende Generationen schafft. Oft stärkt die Sanierung lokale Wertschöpfungsketten und Handwerksbetriebe, kurbelt so also immer auch die Wirtschaft an.
Was hat das DEN hier bisher geleistet
Das DEN macht schon lange darauf aufmerksam, dass auch im Bau ein Denken in Kreisläufen der Weg nach vorne ist, dass der Neubau sehr viele (endliche) Ressourcen verbrennt und Sanierungspotentiale oft nicht ausgeschöpft werden:
- https://deutsches-energieberaternetzwerk.de/pressemitteilung-7-2021/
- Vortrag von Vorständin Marita Klempnow auf der Messe Leipzig 2022: https://deutsches-energieberaternetzwerk.de/wp-content/uploads/2022/12/22-11-25_Denkmal_Leipzig_Weitergabe.pdf
Weiterführende Links
Ein großer Teil der Emissionen Deutschlands werden im Gebäudesektor verursacht, ganze 30 Prozent. Diese Zahl lässt sich mit Verweis auf die Nutzung von fossilen Brennstoffen bei der Wärme und Stromversorgung erklären. Wirksamer Klimaschutz muss deswegen die energetische Sanierung von Gebäuden vorantreiben, sicherstellen, dass die gebrauchte Energie im Gebäude wie auch in anderen Bereichen (Industrieprozesse, Wärmenetzen) effizient genutzt wird und der Umstieg auf Erneuerbare ermöglicht wird. Genau dafür braucht es qualifizierte Energieberatende, Fachkräfte, die Expertise aus verschiedensten Bereichen verknüpfen, um Verbraucher/innen, Kommunen und Unternehmen mit Blick auf Energieeffizienz beraten. Obwohl der Beruf des Energieberaters eine entscheidende Rolle im Bemühen um die Klimaziele spielt und sich nicht als Unterkategorie der klassischen Bauberufe begreifen lässt, ist er überraschenderweise nicht geschützt. Ihm fehlt ein Berufsbild, eine eindeutige, anerkannte Beschreibung von Tätigkeitsfeld, Qualifikation und Beschäftigungsmöglichkeiten. Anders als bei „dem Architekten“ ist der Weg und das Aufgabenspektrum von Energieberater/innen nicht allgemein bekannt.
Das DEN fordert ein Energieberatungsgesetz, das die Grundsätze einer Berufsethik (Leitbild) formuliert und Voraussetzungen für die Berufszulassung und -ausübung definiert. Darüber hinaus soll es Rechte und Pflichten von Energieberatenden festlegen und eine Honorarordnung bieten.
Warum ist das wichtig?
Die Qualifikation und Anerkennung von Energieberatenden macht abhängig von Fördermitteln und verhindert, dass wir uns optimal für den Klimaschutz einsetzen können. Ein geschütztes Berufsbild schafft ein (gesellschaftliches) Bewusstsein für die wichtige Arbeit von Energieberatenden und inspiriert junge Menschen dazu, selbst in diesem Feld tätig zu werden. Ein klar definierter Ausbildungsweg ermöglicht darüber hinaus einen geregelten Einstieg in den Beruf. Schließlich dient es auch noch der Qualitätssicherung. Wenn die Qualifizierung einheitlich organisiert und das Leistungsspektrum klar definiert ist, gewährleistet das auch qualitativ hochwertige Beratungsleistungen. Darüber hinaus entspricht die Etablierung so eines Berufsbildes den Anforderungen der europäischen Gebäuderichtlinie.
Was hat das DEN hier bisher geleistet: Das DEN fordert schon seit Jahren ein geschütztes Berufsbild für Energieberatende, hat sich inzwischen selbst an die praktische Arbeit gemacht und Vorschläge für die Grundsätze einer Berufsethik, für allgemeine und fachliche Beraterqualitäten mit detaillierten Leistungsbildern entwickelt. Für die Aus- und Weiterbildung sucht der Verein neben dem bisherigen indirekten Zugang zum Beruf auch einen direkten Weg über Berufsausbildung oder Studium aufzubauen. Bei diesem ist eine Differenzierung in drei Stufen vorgesehen, je nachdem wie komplex die zu erfüllenden Aufgaben sind.
Weiterführende Informationen:
→ Positionspapier: Berufsbild Energieberater
→ Energieberater brauchen endlich ein eigenes Berufsbild!
→ DEN benennt Koordinator für künftiges Energieberater-Berufsbild
→ Energieberatung aufwerten für mehr Klimaschutz!
→ Eigenes Berufsbild für Energieberater ist überfällig
Die Satzung des DEN bezieht sich auf neutrale, wirtschaftlich unabhängige Energieberatung. Warum ist das so wichtig? Für die Anerkennung des Berufs des Energieberaters und der Energieberaterin in Deutschland ist deren qualitativ hochwertige Dienstleistung und ihr Ruf ein zentraler Faktor. Im Sinne der Qualitätssicherung und zur Entwicklung eines Berufsbildes ist eine klare Abgrenzung von anderen Angeboten empfehlenswert. Wir wollen einen Beruf der sich über Jahre hinweg entwickelt hat weiter etabliert wissen und keinerlei provisionsabhängige Beratung oder gar Empfehlungen, die darauf abzielen weitere Produkte zu verkaufen. Deshalb sind im DEN nur unabhängige Berater/innen Mitglieder.
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) definiert Standards für Neubauten und Bestandsgebäude in Bezug auf Dämmung, Heizung, Lüftung, Kühlung und Warmwasser. Leider liegt die Umsetzung der Normen in der Hand der sechszehn Bundesländer, die dieser Pflicht unterschiedlich sorgsam nachkommen. Das DEN fordert deswegen eine bundesweite und einheitliche Anwendung der Normen.
Warum ist das wichtig? Wie ist es möglich?
Ein Gesetz, das nicht oder nur teilweise kontrolliert wird, hat nur eine begrenzte Wirkung: Das GEG soll -so der erste Paragraph- „durch wirtschaftliche, sozialverträgliche und effizienzsteigernde Maßnahmen […] Klimaschutz [..] zu leisten.” Der Gesetzgeber kann diesem Anspruch nur gerecht werden, wenn die Einhaltung der Normen durch unabhängige Sachverständige geprüft wird. Im Bereich von Brandschutz oder Statik ist dieses Vorgehen gängige Praxis. So muss es auch beim Energiesparen, beim Klimaschutz, sprich bei der Umsetzung des GEG sein, sie sind Brandschutz und Statik von Morgen.
Landesbauverordnungen haben andere Anforderungen, auch an die Weiterbildungen. Das ist unnötig, widersprüchlich und bürokratisch aufwendig. Eine Harmonisierung, das einheitliche Anwenden des GEG, eine Überarbeitung der Landesbauordnungen hinsichtlich Doppelungen und Widersprüchen ist angebracht.
Was hat das DEN hier bisher geleistet
Seit über zehn Jahren engagieren sich die Mitglieder des DEN hier für ein Umdenken, treffen sich mit den Politischen Entscheidungsträger/innen, bringen Durchsetzungsvorschläge ein. Das Netzwerk hat viel Zeit und Mühen in das Thema gesteckt, in einigen Bundeseländern die Einführung einer Durchführungsverordnung begleiten können:
Weiterführende Informationen:
Energieberatende bewerten Gebäude mithilfe von sehr komplexen Berechnungen. Die gängigste Methode lotet dabei mithilfe von standardisierten Werten das Sanierungspotential eines Gebäudes aus. Es ist ein kompliziertes Verfahren, dass sehr viele unterschiedliche Faktoren berücksichtigt, sich aber von dem entfernt, was es eigentlich zu bewerten sucht: den tatsächlichen Energiebedarf der Gebäude. Das DEN fordert deshalb,
- eine Vereinfachung der Berechnung und
- mit diesem Schritt eine stärkere Berücksichtigung der realen Verbrauchsdaten.
- Dazu gehört dann auch ein passendes Monitoring, das heißt ein Erfassen der Verbräuche auch nach Sanierung und im Rahmen der Nutzung.
- Diese Daten sollten dann in Gebäudedatenbank gespeichert und ausgewertet werden. Das ermöglicht auf individueller Ebene eine Nachjustierung der Anlagentechnik und auf „globaler“ Ebene perspektivisch die Etablierung einer evidenzbasierten Fördersystematik, einer vorrausschauende und wirkungsvolle Klimapolitik.
Warum ist das wichtig?
Ziel der Gebäudebewertung und der daran anschließenden Sanierung ist das Einsparen von Energie und Emissionen. Eine gute Klimapolitik muss diese Einsparungen möglichst realitätsnahe quantifizieren, um die Energiewende im Gebäudebereich effizient und zielorientiert umsetzen zu können. Um bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, braucht es verlässliche Daten. Das Überschätzen der tatsächlich erreichbaren Energieeinsparung und der damit verbunden CO2-Reduktionen ist nicht zielführend. Das Berücksichtigen der realen Verbrauchsdaten entspricht darüber hinaus den Vorgaben der europäischen Union.
Weiter eröffnet eine Gebäudedatenbank der Wissenschaft viele Möglichkeiten, die Politik mit Blick auf die Energiewende zu unterstützen. Mit den Daten lässt sich schließlich auch erfassen, welche Fördersystematik, welche Maßnahmenpakete den effizientesten Klimaschutz versprechen. Monitoring verspricht eine vernünftige Ausrichtung staatlicher Förderungen und damit eine optimale Allokation von Steuergeldern. Das fördert die gesellschaftliche Akzeptanz der entsprechenden Maßnahmen. Auch aus individueller Perspektive ist das Erfassen und Auswerten von realen Verbräuchen sinnvoll: Heizung, Wärmepumpe können so nachjustiert und damit effizienter eingestellt werden. Das spart Kosten und Energie, ermöglicht sehr einfache Effizienzgewinne.
Warum ist es aber auch wichtig, dass dieser Bezug zu den realen Verbräuchen mit einer Vereinfachung des Regelwerks einhergeht? Komplexität ist kein Wert in sich: Über Jahre haben sich viele Berechnungsnormen, auch durch die zum Teil unüberlegte Zusammenführung unterschiedlicher Normenpakete, angesammelt. Versierte Energieberatende können Gebäude „schönrechnen“, sie mit ein paar Änderungen besser dastehen lassen. Gerade weil diese Berechnungen Fördersummen bewegen, sind Schlupflöcher dieser Art inakzeptabel. Sie schaden dem Anliegen, echten Klimaschutz umzusetzen. Ein gut durchdachtes Regelwerk, das sich auf reale Verbräuche stützt, schafft Akzeptanz, spart Emissionen.
Was hat das DEN hier bisher geleistet
Das DEN fordert seit über 15 Jahren eine gut durchdachte Berechnungsgrundlage. In den letzten Jahren -auch mit den Studien über Divergenz zwischen realen und berechneten Verbrauchsdaten- fordert das DEN deutlicher die Berücksichtigung realer Verbräuche.
- https://deutsches-energieberaternetzwerk.de/wp-content/uploads/2019/07/DEN_GEGStellungnahme_-2019_Teil1.pdf
- https://deutsches-energieberaternetzwerk.de/den-pm-20-2020/
- DEN bezieht Stellung zu den TMA 2019:
Weiterführende Studien:
- Studie vom UBA zur Diskrepanz von Berechnung und tatsächlichem Verbrauch: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/11850/publikationen/factsheet_realitaetsnahe_berechnung_des_energiebedarfs.pdf
Logisch, oder? Wir brauchen keine undurchdachte Maßnahmen, die nur einen Fokus haben. Ganzheitliche Betrachtungen sind immer sinnvoll. Auch in der Energieberatung. Deshalb plädoyieren wir an Politik und Verbände immer wieder einen Blick auf das Ganze zu legen. Insbesondere in der Förderpolitik ist dies unglaublich wichtig.