Energieberatung quo vadis? – Jutta Maria Betz zu Gast im Podcast des Gebäudeenergieberaters

Wie entwickelt sich die Energieberatung angesichts sich wandelnder politischer Rahmenbedingungen, steigender fachlicher Anforderungen und der fortschreitenden Digitalisierung? Über diese und weitere Fragen sprach Jutta Maria Betz, Vorsitzende des Deutschen Energieberater-Netzwerks (DEN e. V.), als Gast im Podcast des Gebäudeenergieberaters. Betz ist seit fast 25 Jahren als Energieberaterin tätig. Im Podcast beschreibt sie, wie sich die Branche in dieser Zeit verändert hat. Während viele Energieberatende – wie sie selbst – mit einem starken Engagement für den Klimaschutz in den Beruf gestartet seien, hat sich die Energieberatung zu einer eigenständigen Profession entwickelt. Energieberatende leisten einen wichtigen Beitrag zur Gebäudewende und ermöglichen Klimaschutz im Gebäudebereich. Sie sind und verstehen sich selbst -wie Betz betont- weit mehr als „Fördermittelbeschaffer“. Förderprogramme beleben zwar den Markt und stärken das Berufsbild, die eigentliche Leistung der Energieberatung geht jedoch weit darüber hinaus.

Ein Berufsbild für die Energieberatung

Ein Berufsbild sei -auch darauf geht sie ein- entscheidend für die Branche. Das DEN arbeite schon lange für die Institutionalisierung der Energieberatung, man könne sich nicht an die Architektur angliedern, die Energieberatung sei ein eigenes und in Zeiten der Klimakrise zunehmend wichtiger werdendes Feld. Auf die Frage, was ein Berufsbild konkret leisten könne, erläutert Betz die Ziele des DEN: Ein geschütztes Berufsbild schafft klare Ausbildungs- und Qualifikationsstandards, beschreibt die Leistungen der Gebäudeenergieberatung und macht so die unterschiedlichen Kompetenzen innerhalb des Berufsfeldes transparent. Es erleichtert jungen Menschen den Einstieg in den Beruf, schafft Orientierung für Auftraggeber und Versicherungen und kann die Grundlage für eine faire Honorarstruktur bilden. Gleichzeitig stärkt es die Qualität der Energieberatung, schafft Vertrauen und kann dazu beitragen, bestehende rechtliche Diskrepanzen zwischen den Bundesländern abzubauen.

Das DEN habe in den vergangenen Jahren bereits umfangreiche Vorarbeiten für ein Berufsbild geleistet. Nun gelte es, diese in den politischen Diskurs einzubringen und den nächsten Schritt hin zu einer institutionellen Verankerung der Energieberatung zu gehen.

Verlässliche Rahmenbedingungen und der Blick nach vorn

In dem Gespräch wird der zunehmende Preisdruck durch besonders günstige Online-Angebote thematisiert. Solche Angebote seien nicht mit einer qualifizierten Energieberatung vergleichbar. Mit Blick auf die zahlreichen Änderungen im Energie- und Förderrecht unterstreicht Betz die langjährige Forderung des DEN nach verlässlichen politischen Rahmenbedingungen. Kontinuität sei eine wesentliche Voraussetzung, um Planungssicherheit für Gebäudeeigentümer, Energieberatende und die gesamte Branche zu schaffen. Gleichzeitig empfiehlt sie insbesondere angesichts der wachsenden fachlichen Komplexität den Austausch in Netzwerken und Verbänden, die Orientierung, Unterstützung und fachlichen Rückhalt bieten können. Weiter geht sie davon aus, dass die KI in Zukunft eine größere Rolle spielt, dass Energieberatende weniger Informationsgeber, sondern eher Vermittler, verlässliche Partner und Berater sein werden.

Betz macht deutlich, dass die Energieberatung vor wichtigen Weichenstellungen steht. Ein klares Berufsbild und verlässliche politische Rahmenbedingungen sind aus Sicht des DEN entscheidende Voraussetzungen, um die Qualität der Energieberatung langfristig zu sichern und ihren Beitrag zur Transformation des Gebäudebestands weiter zu stärken.

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Bild: William Veder