Deutsches Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V.

3. DEN Forum 2025

27.03.2025, Berlin
Warum garantiert ein Berufsbild für Effizienzexperten Qualität in der energetischen Beratung, wie löst es den Fachkräfte- und Nachwuchsmangel der Branche? Um diese Fragen mit Expert/innen aus Politik und Handwerk, mit Fachleuten aus relevanten Ministerien zu diskutieren, hat das DEN zum dritten Forum eingeladen.

Klimaschutz im Gebäudesektor nur mit qualifizierter Beratung

Um Klimaschutz im Gebäudebereich und in der Industrie wirkungsvoll umsetzen zu können, braucht es qualifizierte Energieberater/innen. Sie vermitteln Effizienz und zeigen, wie der Umstieg auf Erneuerbare Energien Erfolg hat. Weil Sie damit die Energiewende, effektiven Klimaschutz in die Mitte der Gesellschaft kommunizieren,  muss ihre Arbeit hohen Qualitätsanforderungen genügen. Hier braucht es ein Berufsbild, einen klaren rechtlichen Rahmen, der in Zeiten des Fachkräftemangels auch jungen Menschen eine Perspektive in diesem wichtigen Bereich gibt. Das Deutsche Energieberater-Netzwerk DEN e.V. setzt sich schon lange für ein geschütztes Berufsbild ein, hat hierzu bereits ein erstes Konzept aufgesetzt.  Um herauszuarbeiten, wie sich dieses in die Praxis übersetzen lässt, hat der Verband zu einem dritten Forum nach Berlin eingeladen.

In der Begrüßung hat Andreas Holm, Professor des FIW, die erfolgreiche Geschichte des Forums Revue passieren lassen. Die Themen der letzten Jahre, graue Energie, Nachhaltigkeit, seien inzwischen -und glücklicherweise- in der Praxis angekommen, gelten als „state of the art.“ Auch Maike Götting von der KfW stimmt dem zu. Energieberatende seien entscheidend für die Gebäudewende und würden über eine gute Beratung, Bürger/innen motivieren, in klimarelevante Projekte zu investieren. Gerade deswegen brauche es -so Marita Klempnow- ein Berufsbild.

Vorträge
Dipl.- Ing. Jutta Maria Betz Von der Theorie zur Praxis – Gestaltung des Berufsbildes für Energieberater/innen mit Diskussion
Bruno Schmalen, Offensive Mittelstand (OM) Welches Selbstverständnis brauchen Energieberater/innen / Was ist Beratung?
Kilian Schramm, Hans Schramm GmbH Gewerkeverknüpfung – Schnittstellen und Qualifikationen im Handwerk
Jens Acker, Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) EU-Anforderungen bis hin zur Umsetzung in der Energieberatung
Eckard von Schwerin, KfW Kompetente und qualifizierte Energieberatung – Erfolgsfaktor bei der Umsetzung der Klimaziele im Gebäudesektor
Bruno Schmalen (OM), Christian Stolte (dena), Kilian Schramm, Jens Acker (BMWK), Birgit Groh (Clearingstelle DEN) Podiumsdiskussion „Energieeffizienter Gebäudebestand durch Energieberatung“

Wie wichtig es ist, dass die Branche geschützt wird, hat Jutta Maria Betz, auch Vorstand des DEN, auftaktgebend dargestellt und für ein Berufsbild argumentiert, das losgelöst von Listung und Förderungen, Qualität garantiert und dem Nachwuchs einen direkten Einstieg in das Feld ermöglicht. So ein Regelwerk würde den sich verschärfenden Fachkräftemangel adressieren und gleichzeitig sicherstellen, dass nur gut ausgebildete Menschen den Titel „Energieberater“ führen dürfen, dass nur fachlich kompetente Menschen dieser wichtigen Aufgabe nachgehen. Betz problematisiert in diesem Zusammenhang auch unstimmige juristische Verantwortlichkeiten. Zwar definiere das Gebäudeenergiegesetz (GEG) auf Bundesebene, wer einen Energieausweis ausstellen dürfe, im Neubau aber greife die Gesetzgebung der Länder. Es gibt sechzehn Landesbauverordnungen, die ganz unterschiedliche Regelungen zu Aus- und Weiterbildung formulieren. Dieser „Wirrwarr“ helfe niemandem weiter, würde darüber hinaus dazu führen, dass Energieberater/innen Projekte außerhalb ihres Bundeslandes unter Umständen nicht begleiten können. Mit Blick auf die kosten- und zeitaufwendige Ausbildung sei das nicht rechtfertigbar. Es brauche eine einheitliche Lösung und Kontinuität. Das DEN habe bereits viel Vorarbeit geleistet, fachliche wie nicht fachliche Kompetenzen identifiziert, eine Berufsethik diskutiert und im Austausch mit verschiedenen Hochschulen ein Kurrikulum entwickelt. Dennoch kann der Weg in die Energieberatung nicht allein über die Universität organisiert werden, wie Marita Klempnow betont. „Das Handwerk, ein Verständnis von der Praxis, von den Abläufen auf dem Bau ist unglaublich wichtig für unser Fach, für eine gute Beratung.“

Dem kann Kilian Schramm, Geschäftsführer eines traditionsreichen Handwerkbetriebs, nur zustimmen. In seinem Vortrag beleuchtet er die Schnittstellen zwischen Energieberatung und Handwerk, formuliert ein Plädoyer für die Digitalisierung, für den Einsatz auch von künstlicher Intelligenz – besonders da, wo es keine Fachkraft braucht. Ein guter Berater sei einer, der dem Kunden die Herausforderungen und Möglichkeiten einer Sanierung verständlich machen kann, der eine effiziente Kommunikation zum Handwerk ermöglicht und Wege sucht, die Zusammenarbeit zwischen den Gewerken zu verbessern.

Ob die Kompetenzen für so eine Zusammenarbeit rechtlich eingefangen werden können, bezweifelt Jens Acker vom BMWK. Er merkt an, dass ein Berufsbild verfassungsrechtlich nicht trivial ist, dass die Kammern, die Länder starke Zuständigkeiten haben und so ein Projekt viel Gegenwind erfahren wird. Hier brauche das starke Allianzen. Er würde zwar auf einer persönlichen Ebene und vor dem Hintergrund der unsteten Förderlandschaft sehr gut nachvollziehen können, warum die Branche sich so ein Regelwerk wünscht, mahnt aber an, dass eine Optimierung der Expertenliste vermutlich deutlich leichter umzusetzen ist. Die Listung begegne einem Teil der angesprochenen Probleme, müsse nur weiterentwickelt werden. Darüber hinaus würde der politische Betrieb den Wert von Effizienzexperten wahrnehmen und sich -so die Einschätzung Ackers- auch künftig um die Branche bemühen. Der Beamte verweist abschließend auf die europäische Gebäuderichtlinie (EPBD). Diese könne mit der vorgesehenen Kodifizierung der Energieausweise in Artikel 25 gute Anknüpfungspunkte für das Anliegen des DEN bieten.

Der Verband hat diese Idee mit dem ersten europäischen Energieberatertreffen bereits ebenfalls im März umgesetzt. Dazu Vorständin Klempnow: „Wir müssen unser Anliegen auch in Brüssel verteidigen. Unsere Branche braucht ein Berufsbild, einen gesetzlichen Rahmen, der die Qualität der Beratung sicherstellt, die unklaren Zuständigkeiten auflöst und Nachwuchskräfte motiviert. Das jetzige System kann das nicht leisten.“

Wie wichtig eine gute Energieberatung mit Blick auf die Gebäudewende ist, zeigt der Vortrag von Eckard von Schwerin. Er stellt die verschiedene Förderprogramme der KfW vor und zeigt auf, in welchem Umfang sie abgefragt wurden, bemerkt, dass die Architektur der Programme immer auch Auswirkungen auf die Nachfrage und damit auf die Sanierungsquote hat. Bruno Schmalen von der Offensive Mittelstand legt mit seinem Beitrag die Grundlage für die abschließende Diskussion und erklärt, dass der Qualitätsbegriff sich auf das Produkt bezieht oder mit Blick des Kunden gedacht werden kann. Eine gute Beratung müsse nicht nur technisch dem Gebäude gerecht werden, sondern auch die Erwartungen des Kunden berücksichtigen.

Diese Überlegungen finden in der Abschlussrunde Widerhall. In dieser treffen die Vortragenden, Jens Acker, Kilian Schramm und Bruno Schmalen auf Christian Stolte von der DENA und Birgit Groh von der Clearingstelle des DEN. Gemeinsam gehen sie der Frage nach, wie sich eine gute Energieberatung beschreiben und auch erfassen lässt. Die Diskussion bewegt sich dabei auf einem Spannungsbogen. Auf der einen Seite finden sich Argumente für die Idee, die Güte einer Energieberatung an dem sanierten Gebäude festzumachen. Man könne hier die Kosten- oder Energieeinsparungen betrachten, prüfen, ob sie den Berechnungen entsprechen, ein klassischer Soll/Ist Vergleich. So ein Vorgehen ließe sich nur mit einem Monitoringsystem möglich machen. Auch wenn das DEN so eine Datenerfassung begrüßt und die EPBD Vorgaben in diese Richtung formuliert, bleiben hier Fragen offen. Wer kann hier die Prüfung übernehmen? Was wäre die Konsequenz, wenn ein Gebäude seine Soll-Werte verpasst? Soll dann nur ein Teil der Fördersumme ausgeschüttet werden?
Man müsse bedenken, dass der Berater/die Beraterin nicht notwendigerweise die Details der Anlagentechnik plant, bei dem diskutierten Soll-Ist-Vergleich dafür aber „in Haft“ genommen wird (Das ist tatsächlich wörtlich zu verstehen, Energieberatende werden hier verantwortlich gemacht.). Die Idee, dass die Qualität der Beratung bei so einer Herangehensweise außen vor bleibt, führt schließlich zu der anderen Seite des Spannungsbogens. Bei dieser steht der Kunde im Fokus. Auch wenn die Gruppe den Vorschlag eines Bewertungssystems schnell mit Verweis auf Manipulation und notwendige Kontrolle ablehnt, hebt sie hervor, dass eine gute Energieberatung die Wünsche und Erwartungen des Kunden ernst nimmt. Diese Sicht nehmen auch die Gerichte an. Birgit Groh berichtet von einem Fall, bei dem ein Energieberater in zweiter Instanz verurteilt wurde, weil er es verpasst habe, ein Merkblatt der KfW zu erklären, ein Merkblatt wohlbemerkt, dass für Endkunden geschrieben wurde. Die Gruppe verweist auf Standards. Man müsse einheitliche Prozesse etablieren, Kundengespräche dokumentieren und dem Nachwuchs die Kompetenz vermitteln, diese gut umzusetzen. So könnten viele Konflikte, viel Unmut vermieden werden.
Egal, von welcher Seite man die Qualität der Beratung denken möchte, es ist entscheidend -das hebt Christian Stolte abschließend hervor-, dass der Endkunde ohne eine komplizierte Recherche eine/n guten Energieberater/in findet. Mit der Listung, die ja auch Produkt von harter Arbeit und Anstrengung sei und bei der das DEN beteiligt gewesen sei, hätte man schon sehr viel -gerade auch im Bereich der Qualitätssicherung- erreicht.

Trotz der engen und produktiven Zusammenarbeit zwischen DENA und DEN bleibt der Verband bei seiner Forderung. Dazu Klempnow: „Ein Berufsbild gewährleistet Qualität – in der Beratung wie in der technischen Bewertung des Gebäudes. Ein klarer rechtlicher Rahmen ermöglicht einen angemessenen Versicherungsschutz für alle Kolleg/innen und befreit unsere Branche von der unsteten Fördersystematik. Als Verband werden wir weiter für ein Berufsbild kämpfen, für nachhaltigen Klimaschutz im Gebäudebereich, für die Zukunft unserer Branche. Wir freuen uns über Mitstreiter, laden herzlich dazu ein, den Weg gemeinsam zu gehen – nicht nur in Deutschland sondern gemeinsam in ganz Europa.“