DEN: „Architektonische Qualität und energetische Standards nicht senken!“

Das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V. begrüßt den Vorstoß von Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks, die Mittel für den sozialen Wohnungsbau auf zwei Milliarden Euro jährlich aufzustocken und so in erheblichem Maße zusätzliche öffentlich geförderte Wohnungen zu schaffen. „Wenn sogar nach Schätzungen der Regierung jedes Jahr 350.000 Wohnungen fehlen, dann muss schnellstens etwas geschehen“, sagt der Vorsitzende des DEN, Dipl.-Ing. Hinderk Hillebrands. „Deshalb ist es richtig, jetzt zu investieren und Versäumnisse der Vergangenheit zu korrigieren.“

Hillebrands hält die Bereitstellung öffentlich geförderten Wohnraums für eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe: „Es war in der Vergangenheit falsch, dass sich die öffentliche Hand mehr und mehr aus dem sozialen Wohnungsbau zurückgezogen hat. Wohnen ist Daseinsvorsorge, und es sind vor allem die einkommensschwachen Schichten, die oftmals auf dem freien Wohnungsmarkt nicht mithalten können. Dies wird angesichts des enormen Zustroms an Flüchtlingen jetzt unübersehbar.“

Der Ingenieur sieht jedoch nicht nur Bund, Länder und Kommunen gefordert: „Das Bauen bezahlbarer Wohnungen sollte sich auch für private Investoren lohnen. Ohne die wird es nicht gehen. Deshalb sollten Bund und Länder nicht nur über steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, vereinfachtes Baurecht und beschleunigte Planungen reden, sondern endlich handeln.“

Allerdings dürften weder architektonische Qualität noch energetischen Standards unter dem aktuellen Handlungsdruck leiden, meint Hillebrands: „Niemand will Trabantenstädte oder gleichförmige Großsiedlungen, wie sie manchmal in den vergangenen Jahrzehnten gebaut wurden. Die könnten zu gefährlichen Ghettos werden. Gerade die Vielzahl der Kulturen, die nach Deutschland streben, und die daraus erwachsenden Anforderungen an die Integration und an ein friedliches Miteinander der Menschen sind neue und spannende Herausforderungen für Architekten und Städteplaner.“

Deshalb seien auch die Suche nach geeigneten Materialien sowie neuen Formen und Stilen des Bauens Themen, die breit diskutiert werden sollten: „Moderne Bauten sollten multifunktional sein. Spätere Umnutzungen, etwa für Studenten oder für Senioren, sollten mit wenig Aufwand machbar sein. Das würde die Akzeptanz bei potentiellen Mietern bestimmt erhöhen.“

Hillebrands verweist in diesem Zusammenhang auf den Parlamentarischen Abend des DEN, der am 18. Februar 2016 in Berlin stattfinden soll: „Wir werden zusammen mit Politiker, Architekten und Energieberatern auch der Frage nachgehen, ob und wie sich das Bauen in Zeiten deutlich gestiegener Anforderungen an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit verändert. Unser Blick richtet sich dabei nicht nur auf kleine Privatimmobilien, sondern auch auf Wohnanlagen. Die Vorschläge der Bundesbauministerin werden sicher auch eine Rolle spielen.“