Eigenes Berufsbild gefordert – Deutsches Energieberater-Netzwerk wird 15 Jahre alt

Das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V. spricht sich nachdrücklich für ein eigenes Berufsbild für Energieberater aus. „Die Tätigkeiten von Energieberatern sind inzwischen so umfangreich und so komplex geworden, dass wir dringend ein eigenes Berufsbild brauchen“, sagt der Vorsitzende des Netzwerks, Dipl.-Ing. Hinderk Hillebrands. „Unsere Tätigkeiten und unsere Dienstleistungsangebote gehen inzwischen ja weit über die eigentliche Energieberatung hinaus. Sie umfassen immer öfter auch die Planung bis zur Fertigstellung bzw. Umsetzung der Maßnahmen sowie die Baubegleitung.“

Sein Vorstandskollege Dipl.-Ing. Hermann Dannecker ergänzt: „Entscheidend für eine gute Energieberatung sind Unabhängigkeit und Qualität der Experten. Die können wir im DEN sicherstellen.“ Das Netzwerk blickt in diesem Monat auf sein 15jähriges Bestehen zurück; es wurde im Februar 2002 gegründet.

Hillebrands und Dannecker sind überzeugt, dass sich der Dialog des DEN mit Politikern in Bund und Ländern, aber auch mit Behörden und Förderinstitutionen auszahlt: „Das DEN wird geschätzt, wenn es um Diskussionen zu fachpolitischen Themen geht, sowohl bei dem BAFA und der KFW als auch in den zuständigen Ministerien.“ Man bringe bei der Erarbeitung von Regelwerken frühzeitig die Erfahrungen aus der Praxis ein, etwa bei Auslegungsfragen der Energieeinsparverordnung (EnEV) oder bei der Qualifizierung von Sachverständigen.

Das Netzwerk zählt inzwischen über 700 Architekten, Ingenieure und Techniker in seinen Reihen, die allesamt unabhängige Energieberatungen anbieten. Auf Länderebene engagieren sich zwölf Landessprecher. Außerdem haben sich Kompetenzteams gebildet, die eigene Schwerpunktthemen bearbeiten und den Vorstand bei Stellungnahmen und Projekten unterstützen, z.B. der Erstellung von Arbeitshilfen oder Themen wie Honorargestaltung und Berufsbild. Auf Bundesebene werden die beiden Vorstände Hillebrands und Dannecker von der Vorstandssprecherin, Dipl.-Ing. Marita Klempnow unterstützt.

Sie sagt: „Das DEN hat beispielsweise einige Vorschläge zum Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) eingebracht, die dann auch akzeptiert wurden. Die Förderung der Baubegleitung auch für Neubauten im Rahmen des KfW Programms 153 etwa war ein Vorschlag des DEN. Ebenfalls die dritte Stufe der KMU-Beratung im Mittelstand. Wir sind auch intensiv eingebunden in die Diskussionen zum Gebäudeenergiegesetz und die Entwicklung des individuellen Gebäudesanierungsfahrplanes.“

Damit unterscheide sich das DEN von anderen fachlichen und beruflichen Organisationen, erläutert sein Vorsitzender Hillebrands: „Wir haben uns in den ersten Jahren auf Akademiker als Mitglieder des DEN konzentriert, dann aber auch für Meister und Techniker geöffnet. Bedingung ist, dass eine energetische Beratung unabhängig erfolgt, also keine eigenen geschäftlichen Interessen – etwa durch einen eigenen Handwerksbetrieb, der sich um einen Auftrag bemüht – mit ihr verknüpft sind. Im DEN gibt es keine absatzgetriebene Energieberatung.“

Weitere Voraussetzung für eine Mitgliedschaft im DEN sei die regelmäßige Fort- und Weiterbildung, ergänzt Dannecker: „Dazu betreiben wir die DEN-Akademie, die bundesweit Seminare zu wichtigen Themen der Energieberatung anbietet. Sie gibt es seit 2006, und auf diese einmalige Weiterbildungseinrichtung sind wir besonders stolz. ‚Aus der Praxis – für die Praxis‘ lautet ihr Motto.“ Die Akademie stehe nicht nur Mitgliedern des DEN, sondern allen Kollegen aus der Energieberater-Branche offen und solle die Beratungsqualität allgemein verbessern helfen.

Zum Netzwerk gehöre als Tochterunternehmen inzwischen auch die DEN GmbH & Co. KG, erklärt Hillebrands. In ihr können Mitglieder überregionale Aufträge in lokalen oder bundesweiten Netzwerken bearbeiten; Kompetenzen würden gebündelt, größere Aufträge durch Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Büros bearbeitbar. Damit habe man das bundesweite Dienstleistungsangebot des DEN erweitert.

„Das DEN versteht sich in erster Linie als fachliches Netzwerk, welches seine Mitglieder verknüpft und unterstützt“, sagt Dannecker. „Darüber hinaus äußern wir uns aber auch immer wieder zu allgemeinen energiepolitischen Themen, etwa wenn es um Fragen des Klimaschutzes geht. Und wir veranstalten Parlamentarische Abende in Berlin, wo wir Politiker, Wissenschaftler und Verwaltungsmitarbeiter mit unseren Energieberatern aus dem DEN zusammenbringen. Der nächste Parlamentarische Abend wird am 16.05.2017 stattfinden.“

Insgesamt sehen Dannecker und Hillebrands die Bedeutung unabhängiger Energieberater in Zukunft steigen: „Früher waren Strom und Wärme für die meisten Bürger Randthemen. Das hat sich völlig geändert. Energieeffizienz gehört inzwischen dazu – bei Eigenheimbesitzern, bei Mietern, bei Unternehmen und in Kommunen. Der Vorrang der Effizienz wird zum Leitbild.“ Deshalb seien Unabhängigkeit und Qualität einer Energieberatung von entscheidender Bedeutung. Und deshalb trete das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V. auch für ein eigenes Berufsbild des Energieberaters und der Energieberaterin ein.