DEN: „Energiewende fünf Jahre nach Fukushima weiter mit Schwung voranbringen!“
Fünf Jahre nach dem durch einen Tsunami ausgelösten GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima und dem anschließenden Beschluss der deutschen Bundesregierung, die Verlängerung der Laufzeiten der hiesigen Kernkraftwerke wieder rückgängig zu machen, warnt das Deutsche Energieberater-Netzwerk DEN e.V. davor, die Energiewende im eigenen Land als selbstverständlich zu betrachten. „Manchmal hat man den Eindruck, dass es beim Jahrhundertprojekt ‚Energiewende‘ inzwischen an Schwung mangelt“, stellt der Vorsitzende des DEN, Dipl.-Ing. Hermann Dannecker, fest. „Das darf nicht sein! Wir müssen uns immer wieder klarmachen, warum wir den Umbau unserer Energiesysteme unternehmen.“
Dannecker erinnert an das Zustandekommen des sogenannten „neuerlichen Atomausstiegs“: „Dieser vor dem Hintergrund der Nuklearkatastrophe in Fukushima ergangene Beschluss war grundsätzlich richtig. Daran ändert auch nichts, dass diese Entscheidung angesichts damals bevorstehender Landtagswahlen und einer allgemeinen atomkraftskeptischen Stimmung in der Bevölkerung eine Art politischer Notbremsung der schwarz-gelben Koalition war.“
Der Ingenieur erinnert daran, dass die Energiewende nicht erst mit dem Reaktorunfall in Japan begonnen habe: „Die Energiewende hat zunächst mit dem erneuten Atomausstieg von 2011 gar nichts zu tun. Sie ist vielmehr ein Prozess, der auf viel älteren Erkenntnisse beruht, welcher der Begrenztheit von Ressourcen Rechnung trägt und gleichzeitig die Belastung der Umwelt in Grenzen halten will. Den Begriff gibt es seit Anfang der 80er Jahre. Und heute begründet sich der Umbau unserer Energiesysteme auf erneuerbare Quellen in erster Linie mit dem Klimaschutz. Erst dann folgen ökonomische Gründe.“
Der DEN-Vorsitzende bedauert, dass diese Vorgeschichte heute manchmal in Vergessenheit gerät: „Sie erklärt einen Teil unserer heutigen Probleme. So ist der Ausstieg aus der Kernkraft und der Einstieg in die Welt der erneuerbaren Energien immer eng miteinander verknüpft gewesen.“ Vor allem die damals neue Partei der Grünen sei zunächst nicht ernst genommen und später bitter bekämpft worden. „Der überwältigende Wahlsieg des grünen Ministerpräsidenten Kretschmann in Baden-Württemberg zeigt aber, wie schnell sich die Zeiten ändern können. Kretschmann Ist immerhin einer der Gründungsväter der Grünen“, so Dannecker.
Der Architekt und Energieberater bedauert, dass die Energiewende in Deutschland noch immer zu undifferenziert betrachtet werde. „Die Industrie hat die Atomkraftgegner damals mit allen Mitteln bekämpft und ihre Alternativkonzepte abgelehnt. So erklärt sich, dass die Großkonzerne jahrelang geschlafen und die Erneuerbaren Energieträger im eigenen Land nicht ernst genommen haben. Jetzt
allerdings haben manche von ihnen mit ihren auf fossilen Energiequellen basierenden Geschäftsmodellen das Nachsehen. Das kann aber niemanden freuen, denn ihr Anteilseigner ist oftmals die öffentliche Hand. So mancher Stadtkämmerer – besonders im Ruhrgebiet – hat derzeit schlaflose Nächte angesichts der ausfallenden Dividendenzahlungen von RWE.“
Dannecker plädiert dafür, den fünften Jahrestag der Reaktorkatastrophe und ihrer politischen Konsequenzen in Deutschland partei- und lagerübergreifend zum Anlass zu nehmen, sich die Ziele und die Errungenschaften der Energiewende vor Augen zu halten: „Die Energiewende ist ein technisches und gesellschaftliches Jahrhundertprojekt. Zu ihr gehören neben der Nutzung erneuerbarer Energiequellen als tragende Säulen ganz wesentlich auch Energieeffizienz und Energiesparen. Sie braucht Stetigkeit und Verlässlichkeit. Und sie braucht wieder neuen Schwung und Begeisterung.“