DEN: „Es fehlen Themen der Wärmewende“

Mit Interesse und Sympathie verfolgt das Deutsche Energieberater-Netzwerk DEN e.V. den Start des Forschungsgroßprojektes „Kopernikus“, welches in den kommenden Jahren grundlegende Fragen der Energiewende untersuchen und Probleme über wissenschaftliche Disziplinen hinweg lösen helfen soll. „Das jetzt von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka vorgestellte Forschungsvorhaben weist eindeutig in die richtige Richtung“, stellt der Vorsitzende des DEN, Dipl.-Ing. Hinderk Hillebrands, fest. „Hier wird ein politisch klares und unüberhörbares Signal gegeben, das Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Technik lösungsorientiert zusammenbringt und ihre Expertise sinnvoll bündelt. Da werden staatliche Mittel gut und sinnvoll investiert.“

Der Bund fördert bis 2025 mit rund 400 Mio. Euro die intensive Forschung auf vier zentralen Themenfeldern der Energiewende. Sie wurden aus 41 Vorschlägen ausgewählt. Es sind jeweils Konsortien aus Wissenschaft und Wirtschaft, die sich mit der Entwicklung chemischer Speichertechnologien von Strom aus erneuerbaren Quellen beschäftigen, neue Netzstrukturen entwickeln, die Elektrizitätsversorgung der Industrie in Zeiten schwankender Stromproduktion untersuchen und die Energiewende als gesamtgesellschaftlichen Veränderungsprozess analysieren sollen.

„All diese Projekte sind richtig und wichtig“, sagt Hillebrands. „Aber Strom ist nicht das einzige Thema bei der Energiewende. Der Großteil unserer Energie wird für Wärme- oder Kälteerzeugung verbraucht. Soll die Energiewende gelingen und sollen die Klimaschutzziele erreicht werden, muss bei der Forschung im Bereich ‚Wärmewende‘ nachgelegt werden. Es ist bedauerlich, dass es kein solches Thema ins Großprojekt ‚Kopernikus‘ geschafft hat.“

Hillebrands verweist auf neue Studien, welche die Energiewende nicht mehr im Zeitplan sehen: „Es ist unübersehbar, dass die Energiewende stockt. Der Stromverbrauch sollte sinken, aber er steigt. Und die Akzeptanz energetischer Maßnahmen im Gebäudebereich lässt zu wünschen übrig. Fördermittel werden nicht genutzt, Sanierungsquoten nicht erreicht.“

Der DEN-Vorsitzende: „So lobenswert die Forschungsinitiative ‚Kopernikus‘ auch sein mag, so einseitig ist sie aus Sicht der Energieberatung. Wir bräuchten unbedingt auch verstärkte und koordinierte Forschung im Gebäudebereich: neue Materialien, neues Bauen, neues Wirtschaftlichkeitsdenken. Das bietet Kopernikus noch nicht.“