DEN: „Infrastruktur und Forschung sind förderungswürdiger als einzelne Fahrzeuge“
Mit Skepsis nimmt das Deutsche Energieberater-Netzwerk DEN e.V. den zwischen Bundesregierung und Autoindustrie erzielten Kompromiss bei der Förderung von Elektrofahrzeugen zur Kenntnis. „Diese Vereinbarung ist eine typische politische Beruhigungspille“, sagt der Vorsitzende des DEN, Dipl.-Ing. Hinderk Hillebrands. „Hier lagen wohl weniger strategische und längerfristig gültige Entwürfe zugrunde. Es scheint eher darum gegangen zu sein, den Frieden innerhalb der Koalition, dann aber auch mit der Industrie und mit allen beteiligten Verbänden zu wahren. So etwas nennt man gemeinhin einen ‚faulen Kompromiss‘.“
Auf dem sogenannten „Autogipfel“ hatten sich Bundesregierung und Autoindustrie darauf geeinigt, Kaufprämien von 4000 € für Elektrofahrzeuge und 3000 € für Hybridfahrzeuge ab Mai anzubieten. Die Ladeinfrastruktur soll mit 300 Mio. € unterstützt werden. Die Kosten sollen jeweils zur Hälfte vom Steuerzahler und von den Herstellern getragen werden.
Hillebrands begrüßt grundsätzlich Elektromobilität als wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. „E-Fahrzeuge machen außerdem Sinn, wenn man an den Schutz vor Lärm und Feinstaub in unseren Städten denkt. Für den Klimaschutz sind sie allerdings nur ein Beitrag, wenn sie auch mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben werden und nicht mit Kohlestrom. Der ist in Deutschland aber noch einer der wichtigsten Energieträger. Hier zeigt sich eine halbherzige Klimaschutzpolitik.“
Für den Ingenieur mangelt es noch an einem Gesamtkonzept, das klimafreundliche Stromerzeugung und Elektromobilität verbindet: „Ein großer Wurf wäre es gewesen, das konsequente Umsteuern auf erneuerbare Energiequellen mit flächendeckenden Ladestationen und vor allem mit großen Anstrengungen bei Forschung und Entwicklung zu verknüpfen. Eine Kaufprämie dagegen ist nichts als ein Strohfeuer. Zudem ist sie ungerecht. Warum sollen die Steuerzahler in die Tasche greifen, wenn die Industrie ihre Hausaufgaben nicht macht?“
Der DEN-Vorsitzende bezweifelt, dass die meisten von deutschen Automobilherstellern angebotenen Elektrofahrzeuge der Kundennachfrage entsprechen. „Die heutigen E-Autos sind offenbar noch nicht attraktiv genug, und zwar technisch. Zu geringe Reichweite, zu hoher Preis. Da helfen nur Entwicklungsanstrengungen. Wenn die deutsche Autoindustrie mit ihren E-Autos noch nicht an der Weltspitze mitfährt, dann sollte es keine Kaufanreize für zweitklassige Produkte gegeben, sondern es sollte alles unternommen werden, um zu erstklassigen Produkten zu kommen. Die verkaufen sich dann von alleine.“
Hillebrands verweist auch auf die Milliardengewinne der Automobilhersteller. „Es ist widersprüchlich: Eine sonst so selbstbewusste Industrie ruft nach dem Staat! Die Autohersteller hätten bei ihren üppigen Unternehmensgewinnen eigentlich keine Subventionen nötig, und mit Blick auf die aktuellen Betrugsvorwürfe bei Dieselfahrzeugen auch keine staatlichen Hilfen verdient. Sie sollten im Gegenteil angesichts der Konkurrenz aus USA und aus anderen Ländern endlich in die Gänge kommen und ihre Hausaufgaben machen.“
Der Energieberater betont, dass schnelle und nachhaltige Erfolge bei Klimaschutz vor allem durch mehr Energieeffizienz zu erzielen sind, ganz besonders im Gebäudebereich. Der sei mindestens so wichtig wie der Mobilitätssektor: „Der Regierung läuft die Zeit davon. 1 Million E-Fahrzeuge bis 2020 auf deutsche Straßen zu bringen stellt sich mehr und mehr als unrealistisch heraus – heute sind es gerade mal gut 25.000. Es fragt sich grundsätzlich, ob es politisch klug ist, solche Zahlen in den Raum zu stellen. Medienwirksamkeit darf nicht politische Ziele bestimmen. Wenn man diese Ziele nämlich irgendwann kassieren muss, werden dies die Medien auch ausgiebig begleiten.“