DEN: „Drohung der EU-Kommission zeigt Versäumnisse deutscher Energiepolitik“
Die nach Medienberichten von der EU-Kommission erneut ins Gespräch gebrachte Aufteilung Deutschlands in zwei Strompreiszonen nützt nach Einschätzung des Deutschen Energieberater-Netzwerks DEN e.V. niemandem. „Sollte die Bundesrepublik wirklich in eine teure Strompreiszone im Süden und eine weniger teure im Norden aufgeteilt werden, würden die Verbraucher bestraft. Sie müssten für die Versäumnisse Politik aufkommen“, erklärten die beiden Vorsitzenden des Netzwerks, Dipl.-Ing. Hinderk Hillebrands und Dipl.-Ing. Hermann Dannecker, nach einer Vorstandssitzung des Netzwerkes in Norden. „Die Endkunden würden doppelt zur Kasse gebeten: Sie müssten den ohnehin nötigen und lange überfälligen Nord-Süd-Netzausbau bezahlen und würden zusätzlich noch bestraft für jahrelange Verzögerungen bei Planung und Bau.“
Gleichzeitig raten die beiden Ingenieure dazu, die Drohungen aus Brüssel ernst zu nehmen. „Es geht nicht, im Norden Deutschlands große Kapazitäten an Windkraftanlagen aufzubauen, deren Strom aber mangels eigener Netzkapazitäten über die Nachbarländer nach Süden zu transportieren. Polen und Belgien etwa beschweren sich völlig zu Recht. Deutschland muss jetzt endlich handeln und den neuen Warnschuss der EU-Kommission befolgen.“ Das sukzessive Abschalten der deutschen Kernkraftwerke bis 2022 mache einen raschen Netzausbau noch dringender.
Die Zukunft der Energiewende und den weiteren Bau von Anlagen der Erneuerbaren Energien sehen die beiden DEN-Vorsitzenden zunehmend in der Diskussion: „Die Proteste der Verbände der Erneuerbare-Energien-Branche und der IG Metall gegen die geplante Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2016 mit seinen Ausschreibungsverfahren und Zubau-Deckelungen sprechen eine deutliche Sprache. Die meisten Bürger wollen im Prinzip ja umwelt- und klimafreundliche Energieerzeugung, fürchten aber weiter steigende Strompreise. Wenn dann noch zusätzlich Arbeitsplatzverluste in einer Zukunftsbranche drohen, äußern manche ihren Unmut auf der Straße. Sie wollen nicht, dass die Erneuerbaren Energieträger politisch ausgebremst werden.“ Das Bündnis will unter seinem Kampagnenmotto „Energiewende retten!“ am Donnerstag, 02. Juni 2016, eine weitere große Demonstration in Berlin veranstalten. Auch bei den Ministerpräsidenten stoßen die Pläne der Bundesregierung auf Widerstand.
Hillebrands und Dannecker: „Die Bundesregierung steckt in einer Zwickmühle. Immer größer werden die allgemeinen Zweifel an der Erreichbarkeit ihrer Klimaziele. Sie will aber unter allen Umständen an ihnen festhalten. So erklären sich auch Beschlüsse wie die von vielen Seiten kritisierten Zuschussregelungen für Elektrofahrzeuge. Oder
die neue und groß angelegte Kampagne „Deutschland macht’s effizient“ des
Bundeswirtschaftsministeriums.“
Das Deutsche Energieberater-Netzwerk begrüße grundsätzlich die mit über 10 Millionen Euro ausgestattete Kampagne, ergänzt DEN-Vorstandssprecherin Dipl.-Ing. Marita Klempnow. „Angesichts der immer noch viel zu niedrigen Sanierungszahlen im Gebäudebestand will das für die Energiepolitik zuständige Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) jetzt mit dieser Werbeoffensive das Thema öffentlich platzieren. Dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden. Jetzt kommt es darauf an, diesem Weckruf auch eine Umsetzungsstrategie folgen zu lassen. Hier sieht das DEN e.V. noch deutliches Verbesserungsmöglichkeiten. Nach wie vor werden Sanierungswillige im Förderdschungel allein gelassen und sind schnell frustriert.“
Das Deutsche Energieberater-Netzwerk habe auf diesen Mangel schon im Vorfeld der vor wenigen Wochen gestarteten Kampagne bei Gesprächen im BMWi in Berlin hingewiesen und konstruktive Vorschläge eingebracht. Um zukünftig Ratsuchende besser zu betreuen und die durch die Förderprogramme zur effizienten und erneuerbarer Energienutzung kompetent zu begleiten, habe das DEN mit weiteren Unternehmen inzwischen die private Initiative „Fördermittel nutzen!“ (IFN) ins Leben gerufen.
Die Leitung des Deutschen Energieberater-Netzwerks DEN e.V., dessen Geschäftsstelle sich im hessischen Offenbach befindet, tagt immer wieder an unterschiedlichen Orten in Deutschland, um dem bundesweiten Charakter der Organisation gerecht zu werden. Mit dem in Norden lebenden Vorstand Dipl.-Ing. Hinderk Hillebrands ist der nördliche Teil der Bundesrepublik repräsentiert, mit dem im schwäbischen Schömberg lebenden Dipl.-Ing. Hermann Dannecker der Süden Deutschlands. Vorstandssprecherin Dipl.-Ing. Marita Klempnow lebt und arbeitet in Brandenburg und vertritt das Netzwerk oft bei politischen Gesprächen in Berlin.