DEN: „Unabhängige Experten am Bau sind der beste Verbraucherschutz!“
Vor dem Hintergrund der jüngsten Wohnungsbauzahlen unterstreicht das Deutsche Energieberater-Netzwerk DEN e.V., dass nur qualitativ hochwertige Gebäude und Wohnungen den Zukunftsanforderungen an Energieeffizienz und damit an Klimaschutz genügen können. „Es fehlt in Deutschland an Wohnraum, es wird noch nicht ausreichend gebaut. Das zeigen die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Daraus allerdings den Schluss zu ziehen, schnell und einfach gebaute Wohnungen wären eine gangbare Lösung, wäre falsch“, stellt der Vorsitzende des Netzwerkes, Dipl.-Ing. Hinderk Hillebrands, fest.
Laut Statistischem Bundesamt sind 2015 in Deutschland knapp 250.000 Wohnungen gebaut worden. Einen solchen Zubau hatte es zwar seit 2006 nicht mehr gegeben. Nach Schätzungen des Bundesbauministeriums und der Immobilienwirtschaft liege der jährliche Bedarf allerdings deutlich höher, nämlich bei 350.000 bis 400.000 Wohnungen pro Jahr.
„Diese Zahlen zeigen, dass noch viel Nachholbedarf im Bausektor besteht. Hier könnte der Gesetzgeber zusätzliche Impulse geben, etwa durch steuerliche Abschreibungen. Er sollte aber nicht hinter die Anforderungen der neuen Energieeinsparverordnung (EnEV) zurückfallen“, sagt der Ingenieur. „Ein Haus verzeiht keine Baufehler; es ist nur eine Frage der Zeit, wann diese sichtbar werden. In der Regel ist das nach Ablauf der Gewährleistung.“
Deshalb sei Qualitätssicherung am Bau so wichtig – sowohl beim Neubau als auch bei der Sanierung im Gebäudebestand. Hillebrands: „Bauherren brauchen die Begleitung durch fachkundige, freie und unabhängige Sachverständige bzw. Energieberater. Die Qualitätssicherung muss sowohl im Bereich der Gebäudehülle, also bei der Bauphysik, als auch bei der Gebäudetechnik sichergestellt werden, und zwar unabhängig vom Umfang der energetischen Maßnahme.“
Der DEN-Vorstand hält die aktuell von der KFW, der Förderbank des Bundes, verlangten Qualitätssicherungsmaßnahmen für nicht ausreichend: „Die Anforderungen der KfW sind derzeit minimal. Erst unabhängige Experten wie die Energieberater des DEN stehen dafür ein, dass Theorie und Praxis bei Baumaßnahmen zusammengeführt werden durch Abgleiche während der Ausführungsphase. Der Bauherr kann in der Regel noch nicht einmal nachvollziehen, welche Materialien tatsächlich eingesetzt werden und woher diese stammen, geschweige denn die Einbauqualität beurteilen. Hier sollte der Gesetzgeber nachbessern.“
Hillebrands: „Eine solche, vom Gesetzgeber vorgeschriebene Qualitätssicherung wäre die Voraussetzung, um die angestrebten Energieeinsparpotentiale nicht nur zu errechnen, sondern auch wirklich in der Praxis zu erreichen. Dabei muss man Gewerke übergreifend denken und handeln und besonders auf die Schnittstellen achten, wie z.B. den Übergang vom Dach zur Fassade, oder auf die Fensteranschlüsse. Nur unabhängige Fachleute gewährleisten die rechtzeitige Beseitigung von Mängeln schon während der Ausführung.“