Mitgliederversammlung verlangt höhere Anforderungen an Qualitätssicherung
Für eine bessere Qualitätssicherung am Bau hat sich das Deutsche Energieberater-Netzwerk DEN e.V. auf seiner diesjährigen Mitgliederversammlung in Frankfurt ausgesprochen. Angesichts immer komplexerer Materialien sowie stetig höherer energetischer Standards sei eine Gewerke übergreifende Baubegleitung durch unabhängige Fachleute wichtiger denn je, hieß es auf Tagung. Das inzwischen über 700 Architekten, Bauingenieure und Techniker zählende Netzwerk will verstärkt durch fachliche Stellungnahmen politische Beschlussfassungen begleiten und so sein eigenes weiter Profil schärfen. Dazu wurden Kompetenzteams gebildet, welche Analysen und Forderungen zu energiepolitischen Themenfeldern erarbeiten sollen. Die Versammlung bestätigte die beiden Vorsitzenden des DEN, Dipl.-Ing. Hinderk Hillebrands und Dipl.-Ing. Hermann Dannecker, in ihren Ämtern.
„Baubegleitung wird bei Neubauten wie bei Modernisierungen immer wichtiger. Die Anforderungen der KFW, der Förderbank des Bundes, an die Qualitätssicherung reichen nicht.“ Der DEN-Vorsitzende Hinderk Hillebrands wies darauf hin, dass Bauherren in der Regel noch nicht nachvollziehen können, welche Materialien eingesetzt werden und welche Eigenschaften sie haben, geschweige denn die Einbauqualität beurteilen. Hier sollte der Gesetzgeber nachbessern, denn Bauschäden träten erst nach einigen Jahren zu Tage: „Qualität am Bau ist ein großes Thema. Das wird sich in den kommenden Jahren noch deutlich zeigen.“
Deshalb lege das DEN großen Wert auf die regelmäßige Fortbildung seiner Mitglieder. Die eigene Akademie des Netzwerks mit Sitz in Offenbach sei dazu ein wichtiges Element. „Um unsere DEN-Akademie beneiden uns viele. Sie steht jedem Fachkollegen offen, egal ob er Mitglied im DEN ist oder nicht. Energieeffizienz, gesetzliche Richtlinien und Förderungen sind nur einige Schwerpunkte des Kursprogramms, und zwar für Wohngebäude und Nichtwohngebäude. Die Devise lautet: Aus der Praxis – für die Praxis“, erklärte dazu Hermann Dannecker, der andere Vorsitzende des DEN.
Die Akademie sei ein wichtiger Baustein, um das Profil des Netzwerkes in der Fachöffentlichkeit, aber auch gegenüber Politik und Medien weiter zu schärfen. Langfristig müsse die Energieberatung zu einem eigenen Berufsbild aufgewertet werden. „Dabei spielen fachliche Kompetenz und Unabhängigkeit die entscheidenden Rollen“, so die beiden Vorsitzenden.
Für fachliche Stellungnahmen und Beratung steht das Deutsche Energieberater-Netzwerk DEN e.V. auch Ministerien und Behörden in Berlin und in den Bundesländern zur Verfügung. „Das DEN wird im politischen Berlin inzwischen deutlich wahrgenommen und ist Gesprächspartner für BMWi und BMUB, ebenfalls für die KFW und die dena, die Deutsche Energie-Agentur“, berichtete die Vorstandssprecherin, Dipl.-Ing. Marita Klempnow. Dazu habe auch der vom DEN veranstaltete Parlamentarische Abend beigetragen. Alle Vorschläge des Netzwerks zur Erhöhung der CO2-Reduzierungen im Rahmen des NAPE, des Nationalen Aktionsplanes Energieeffizienz, seien in das Werk eingearbeitet worden. Derzeit bringe sich das DEN ein bei der Zusammenführung von Energiewärmegesetz und Energieeinsparverordnung (EnEV) zum neuen Gebäudeenergiegesetz. Das Netzwerk fordert insbesondere eine stärkere Berücksichtigung der sogenannten „grauen Energie“ in der EnEV.
Die Mitglieder des DEN würden auch in ihrer beruflichen Praxis besonders geschätzt, das zeige die Statistik. Marita Klempnow: „Von den über 13.600 Fachleuten auf der Expertenliste für die Förderprogramme des Bundes sind nur 530 Mitglied beim DEN, also gut 4 Prozent. Die begleiten aber 60 Prozent der Sanierungen im KFW 55-Standard. Das zeigt ja wohl die Kompetenz dieser Kollegen!“
Um die Möglichkeiten des beruflichen Netzwerkes noch besser zu nutzen, habe man die DEN GmbH & Co. KG geschaffen, in der große Projekte von mehreren Energieberatern oder Büros gemeinsam bearbeitet werden können. „Hier fließt Spezialwissen in beispielhafter Weise ein“, erläuterte der DEN-Vorsitzenden Hinderk Hillebrands. „Besonders im kommunalen Bereich und bei Nichtwohngebäuden können so Projekte realisiert werden, die für ein einzelnes Büro sonst zu umfangreich wären.“
Sein Vorstandkollege Hermann Dannecker ergänzte: „Wir sind mit unserem Netzwerk auf einem sehr guten Weg. Nur gemeinsam werden wir die Energiewende schaffen. Und bei der spielt nicht nur die Energieeinsparung eine wichtige Rolle, sondern auch das Wohlbefinden der Menschen, deren Häuser wir energetisch betreuen.“