DEN: „Neues Programm vergrößert Chaos im deutschen Förderdschungel“

Deutliche Kritik übt das Deutsche Energieberater-Netzwerks DEN e.V. an der seit dem 1. August angebotenen Förderung für Maßnahmen der Heizungsoptimierung. Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt mit seinem neuen Programm den Austausch von Zirkulations- und Umwälzpumpen sowie den hydraulischen Abgleich von Heizungsanlagen mit Zuschüssen von nunmehr 30 Prozent der Investitionskosten. Zuständig ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle BAFA.

„Dieses neue Programm macht den ohnehin vorhandenen Förderdschungel nur noch unübersichtlicher“, kritisiert der Vorsitzende des DEN, Dipl.-Ing. Hinderk Hillebrands. „Hier ist keine Abstimmung mit den vorhandenen Förderprogrammen der KfW zu erkennen – ein Chaos. Das ist nicht kundenfreundlich und erschwert uns Fachleuten die Arbeit.“

Zudem mangele es an Qualitätskontrolle. Wer wirklich – wie beworben – bis zu 80 Prozent des Stromverbrauchs im Heizungskeller einsparen wolle, sei auf jeden Fall auf Experten angewiesen. Hillebrands: „Ein Beispiel: Viele ältere Brennwertgeräte verfügen über integrierte Pumpen. Hocheffiziente Pumpen können in der Regel aber nicht in bestehende Wandthermen eingebaut werden. Eine Qualitätssicherung und die Prüfung vor Ort durch einen Sachverständigen wären unbedingt notwendig. Das ist aber im neuen Förderprogramm nicht verpflichtend vorgesehen.“

Der Ingenieur räumt ein, dass es noch große Energie-Einsparpotenziale in Heizungskellern gibt. Immerhin entfalle ein Drittel der in Deutschland verbrauchten Energie auf den Gebäudebereich, ebenso ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen. Die Optimierung der gesamten Heizungsanlage eines Gebäudes durch einen hydraulischen Abgleich sei durchaus sinnvoll: „In vielen Kellern stehen moderne Heizungsanlagen, die aber nicht optimal eingestellt sind. Das ist wie Fahren mit angezogener Handbremse. Leider ist ein großer Teil der Fachbetriebe aber heute noch nicht in der Lage, einen hydraulischen Abgleich inklusive der notwendigen Vorbereitungen fachgerecht auszuführen.“

Wie Hillebrands erläutert, würden im neuen Programm zwei Verfahren des hydraulischen Abgleichs gefördert: „Das Verfahren A ist jedoch nur bis Ende 2016 zulässig, da es sich um Näherungsverfahren handelt. Das Verfahren B bedeutet dagegen eine umfangreiche Heizlastberechnung nach der DIN 12831, und die wird bis heute in der Regel nicht vom Fachbetrieb erbracht. Hier hat das DEN übrigens eine Dienstleistung eingeführt, um die Berechnungen durch Fachleute wie Ingenieure oder Techniker sicherzustellen.“

Der DEN-Vorsitzende hält es für unwahrscheinlich, dass die neue Förderung den gewünschten Erfolg bringe. „Wenn keine Überwachung der fachgerechten Ausführung verlangt wird, besteht die Gefahr, dass lediglich Formulare ausgefüllt und durch das jeweilige Fachunternehmen abgezeichnet werden, ein sinnvoller hydraulischer Abgleich aber nicht erfolgt.“

Bauherren schrecken vor Förderdschungel zurück

Mangelnde Übersichtlichkeit bei den über 6000 in Deutschland angebotenen Förderprogrammen beklagt auch Hillebrands‘ Kollege im Vorstand des Deutschen Energieberater-Netzwerks DEN e.V., Dipl.-Ing. Hermann Dannecker. So sei vor wenigen Tagen ein wichtiges Förderangebot ausgelaufen: Zuschüsse im Rahmen des KFW-Programms „Altersgerecht umbauen“ gibt es nicht mehr. Der entsprechende Fördertopf ist aufgebraucht: „Viele Antragsteller dürften vom vorläufigen Ende dieses beliebten Programms überrascht worden sein. Sie können ihre Planungen nun erst einmal verschieben oder ganz streichen. Man hat den Eindruck, dass dieses vom Bundesumweltministerium mit knapp 50 Mio. Euro ausgestattete Programm unterfinanziert war.“

Der DEN-Vorsitzende plädiert in diesem Zusammenhang dafür, die zahlreichen Förderangebote in der Bundesrepublik kundenfreundlicher zu präsentieren. So sei das Förderprogramm „Altersgerecht umbauen“ zusammen mit Maßnahmen für höheren Einbruchschutz von der KFW angeboten worden. Zuschüsse für Einzelmaßnahmen beim altersgerecht Umbau gebe es nun nicht mehr, auch nicht in Kombination mit erhöhtem Einbruchschutz. Einzelmaßnahmen zur Kriminalprävention würden aus dem Programm aber immer noch bezuschusst. Und wer keinen Zuschuss, sondern einen Kredit beantragt, bekommt immer noch Fördermittel für beides. Dannecker: „Da blickt kein Laie durch, das sollte man übersichtlicher gestalten. Es wundert nicht, dass viele Bauherren davor zurückschrecken, Fördermittel zu beantragen, weil ihnen das alles zu kompliziert ist.“

Dannecker lobt allerdings ausdrücklich, dass es solche Förderungen überhaupt gibt: „Altersgerechtes Wohnen, besonders in Verbindung mit Energieeffizienzmaßnahmen, ist ein Thema der Zukunft. Noch nie gab es so viele Senioren in Deutschland. Und die möchten natürlich so lange wie möglich komfortabel in ihren eigenen vier Wänden wohnen. Deshalb sollte man solche Förderprogramme verstetigen und ausreichend ausstatten.“ Er hoffe, dass es bald ein Nachfolgeangebot gebe.

Die beiden Vorsitzenden des DEN halten es für notwendig, die vorhandenen Förderprogramme besser aufeinander abzustimmen und zu langfristig zu sichern: „Alles andere wird die Energiewende weiter erschweren und dient vor allem dazu, Steuergelder zu verschwenden“, so Hillebrands und Dannecker.