DEN-Energieberater trafen französische Kollegen: Fachdialog über Grenzen hinweg

Straßburg ist eine der Europa-Städte schlechthin. Jetzt trafen sich ganz in der Nähe – in Mutzig – Energieberater des DEN aus Deutschland und von CINOV aus Frankreich, um gemeinsame Anliegen und Chancen auszuloten und in eine Landesgrenzen überschreitende Zukunft zu blicken. Jeweils vier Kolleginnen und Kollegen aus den beiden Ländern tauschten sich erstmals aus. Modernes Energiemanagement angesichts des Klimawandels ist in beiden Ländern eines der wichtigsten Themen. Allerdings– so wurde klar – unterscheiden sich die Antworten auf die Herausforderungen deutlich.
„Wir sind geographisch Nachbarn, aber fachlich kennen wir uns noch viel zu wenig“, sagt DEN-Verwaltungsratsmitglied Peter Uenning, der eigens aus Ostbevern im Münsterland angereist war. „So manche Perspektiven und Ansätze in Bezug auf Energieerzeugung unterscheiden sich grundlegend in unseren beiden Ländern.“
„Genau deshalb haben wir uns ja zu diesem ersten Kennenlernen getroffen“, ergänzt Martina Kost. Als gebürtige Schwäbin, die inzwischen seit vielen Jahren in Frankreich lebt, vor allem aber als Ingenieurin und Diplom-Physikerin weiß sie um gemeinsame Probleme und unterschiedliche Antworten. Sie war es auch, die zusammen mit DEN-Bundesvorstand Hermann Dannecker die Idee zu diesem Treffen hatte und in Mutzig die eine oder andere sprachliche Hürde glättete. Die Ingenieurin leitet als 1. Vorsitzende die Fédération CINOV Ile de France, die als Arbeitgeberverband für eine Vielzahl von Gewerken den Raum Paris und damit die größte Region in Frankreich betreut. CINOV ist nicht den deutschen Kammern vergleichbar, die Mitgliedschaft ist freiwillig.
Menschlich und fachlich habe man sich sofort verstanden. Uenning: „Die französischen Kollegen sind exzellente Fachleute. Unser gemeinsames Hauptthema waren bei diesem ersten Treffen Energie-Audits in kleinen und mittleren Unternehmen.“ Die betreue man auch in Deutschland, so Uenning. Allerdings werde die Energieberatung auf der anderen Seite des Rheins anders durchgeführt.
In Frankreich gebe es freiberufliche unabhängige Energieberater in der in Deutschland bekannten Form eigentlich nicht, erklärt Martina Kost. „Hier haben wir sehr wenige ‚Einzelkämpfer‘, die als Architekten, Ingenieure oder Techniker wie im DEN einen akademischen oder einen handwerklichen Hintergrund haben und vom Privatkunden bis zum mittelständischen Unternehmen Projekte begleiten und beraten. In Frankreich sind Ingenieurbüros üblich, die zum Teil umfangreiche Studien vor allem für Unternehmen erstellen – die sind ihre Kunden.“ Einen nennenswerten Privatkundenmarkt wie in Deutschland kenne man hier nicht, was eine Vielzahl von Gründen habe.
In Frankreich, so wurde bei dem Treffen klar, haben große und zentral ausgerichtete Organisationen Tradition, im Unterschied zu Deutschland. Aber genau darin liege derzeit ein Problem, denn vor dem Hintergrund von EU-Verordnungen verlange Paris von den Ingenieurbüros zusätzliche Qualifikationen. Kost: „Unsere Kollegen sind fachlich ausgezeichnet und wissen, wie es geht. Aber die Bürokratie hat teilweise schon dazu geführt, dass der Markt zusammenbrach. Es geht jetzt bei uns darum, aus dieser Situation zusammen mit dem zuständigen Ministerium wieder herauszukommen. Und dafür könnte man vielleicht östlich des Rheins Antworten finden.“
Vor diesem aktuellen Hintergrund bekam das Treffen in Mutzig ein besonderes Gewicht. Denn man könne durchaus von der in Deutschland diskutierten Suche nach einem Berufsbild für Energieberater lernen. „Wenn wir es schaffen, gemeinsame Standards, vielleicht sogar auf europäischer Ebene, zu finden und zu definieren, wäre allen geholfen“ – da sind sich Martina Kost und Peter Uenning einig.
Insofern stellte man nicht nur gegenseitig die einzelnen Organisationen und ihre Herausforderungen vor, sondern achtete aufmerksam auf Unterschiedliches, Neues, Adaptierbares. Dazu gehörte insbesondere das Qualitätssiegel des DEN. Das könnte man sich bei CINOV auch vorstellen, so wurde deutlich.
Diesem ersten informativen und erfolgreichen Treffen sollen weiter folgen. Konkret boten die Vertreter von CINOV an, bei der Fortbildungsschulung „Energieaudit in der Industrie“ in Deutschland zusammenzuarbeiten. Bestimmt ließen sich hier grenzüberschreitende Unternehmen wie etwa deutsch-französische Investmentfonds als Kunden interessieren.
Die Voraussetzungen für eine solche deutsch-französische Kooperation unter IngenieurInnen und EnergieberaterInnen seien jedenfalls vorhanden – da war man sich einig: Unabhängigkeit, Unparteilichkeit und Leistungsqualität bilden sowohl beim DEN als auch bei CINOV die Grundlage.